WhatsApp vor radikalem Umbau? Deutsche Ministerin hat umfangreiche Pläne

Stefan Bubeck 17

WhatsApp-Nutzer sollen auch mit Nutzern anderer Messenger Dienste kommunizieren können – dazu brauche man ein EU-Gesetz, dass die notwendige Öffnung per Schnittstelle erzwinge. Dieser Vorschlag aus der Politik gleicht im Smartphone-Zeitalter einer Revolution und lässt sich mit einer verwandten Situation begründen.

WhatsApp vor radikalem Umbau? Deutsche Ministerin hat umfangreiche Pläne
Bildquelle: Getty Images / Adam Berry .

Update vom 25.06.2018: Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat ihre Forderungen von Anfang Juni nun nochmals bekräftigt. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erklärt sie, dass Whatsapp-Nutzer auch mit den Nutzern anderer Messenger-Dienste „wie zum Beispiel Threema oder Signal“ kommunizieren können sollten. „Das müsste man gesetzlich auf europäischer Ebene regeln und die Betreiber verpflichten, entsprechende Schnittstellen zu öffnen.“ Es finden dazu bereits Gespräche mit Amtskollegen aus anderen EU-Staaten und mit Vertretern der EU-Kommission statt.„Man muss die Monopole aufbrechen, denn die führen dazu, dass ein Konzern machen kann, was er will. Wer in einer WhatsApp-Gruppe sein möchte, zum Beispiel im Sportverein oder an der Schule, hat keine andere Wahl, als diesen Messenger-Dienst zu installieren – egal was der Konzern mit den eigenen Daten macht,“ so die Ministerin.

Originalartikel vom 02.06.2018: Wer sich heutzutage WhatsApp verweigert, macht sich sein Leben schwer: Die Kollegen, die Freunde, der Verein und die Familie – überall wird WhatsApp genutzt. Wer mitreden will, muss sich auch diese App installieren, die als Datenkrake und Facebook-Komparse verschrien ist. Es führt technisch gesehen kein Weg vorbei, denn WhatsApp funktioniert nur mit WhatsApp. Aber muss das sein?

WhatsApp-Nutzer sollen mit den Nutzern einer anderen App kommunizieren können

Man stelle sich aber vor, man könnte als Nutzer von Telegram seine Nachrichten auch an WhatsApp-Nutzer schicken, ohne dass man selbst WhatsApp auf seinem Smartphone installiert hat. Oder man denke an einen Nutzer, der sich aus Sicherheitsgründen für den Dienst Threema entschieden hat und trotzdem Teil einer WhatsApp-Gruppe ist, bei der er mitchattet.

Wenn der marktdominierende Messenger „offen“ wäre, dann würden sich die Machtverhältnisse verschieben: Die Nutzer würden die App zur Kommunikation nutzen, die sie am besten finden – statt die nutzen zu müssen, die alle anderen auch nutzen. Ein Ende des gefühlten Gruppenzwangs zur WhatsApp-Nutzung wäre in Sicht. Diese Forderung nach einer Öffnung von WhatsApp für konkurrierende Dienste äußerte kürzlich Katarina Barley im Interview mit Zeit Online. Die 49-jährige ist seit März Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz im Kabinett Merkel IV.

„Das Zauberwort heißt Interoperabilität“ sagt sie und nennt dabei konkret WhatsApp, die unangefochtene Nummer Eins unter den Messengern. Würde WhatsApp seine Schnittstellen für andere Anbieter öffnen, dann könnten die Nutzer zu anderen Angeboten wechseln, „die bessere Datenschutzstandards haben“. Barley meint, dass die dafür notwendige Regulierung von Messengerdiensten „idealerweise auf europäischer Ebene“ erfolgen solle.

WhatApp und Interoperabilität: Warum eigentlich nicht?

Die Politikerin erläutert: „Das ist beim Mobilfunk möglich und das ist auch bei diesen Systemen möglich“. In der Tat ist es für uns selbstverständlich, dass man als Telekom-Kunde einen o2-Kunden anrufen kann, denn die Netze lassen diese Kommunikation zwischen unterschiedlichen Anbietern (und Mobilfunknetzen) zu – alles andere wäre geradezu absurd.

Bei Messengern ist jedoch ein System aus „geschlossenen Gesellschaften“ normal. Es ist ganz im Sinne der Konzerne, die uns die führenden Kommunikations-Dienste anbieten. Die Politik könnte dieses System zu einer grundlegenden Änderung zwingen und den Nutzern neue Freiheiten schaffen.

Der Vorschlag der Bundesjustizministerin ist alles andere als neu – wer ein wenig recherchiert, findet heraus, dass das Thema Interoperabilität immer wieder auf den Tisch kommt. Der re:publica-Gründer Markus Beckedahl brachte die Situation Anfang Mai bereits auf den Punkt: „WhatsApp hat eine monopolistische Stellung in Deutschland.“ Es müssten endlich Schnittstellen her, die es erlauben, dass man mit jedem Messenger Kontakt zu WhatsApp aufnehmen kann.

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Quellen: Zeit, WDR, dpa via FAZ (Update)

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